Es sind eher Bruchstücke und Szenen an wechselnden Orten, die mir in den Sinn kommen, wenn ich mich an die frühe Nachkriegszeit erinnere. Da ich im Januar 1941 geboren wurde, war ich noch nicht 9 Jahre alt, als 1950 unser Lehrer zum Jahreswechsel eine Ansprache hielt, daß die zweite Hälfte des Jahrhunderts besser verlaufen möge.
Ich wurde am 24. Januar 1941 in Königsberg geboren. Wir lebten in Pillau, "Zitadelle 8", diese Adresse ist mir im Gedächtnis geblieben. Mein Vater war Studienrat für Mathematik und Physik an der Marinefachschule und dann im Krieg, meine Mutter arbeitete als Zahnärztin, wir hatten eine Hausangestellte "Gustel". An die Zeit in Pillau erinnere ich mich wenig, der Hafen mit der Mole zum Leuchtturm und die Allee zum Strand kamen mir bekannt vor, als wir 1993 einmal kurz dort waren.
Am 25.Januar 1945 flüchtete meine Mutter mit mir auf dem Schiff "Steuben" nach Swinemünde, ich hatte einen kleinen Koffer mit meiner Puppe "Inge" und meinem Teddy bei mir und behielt ihn bis zuletzt. An die verschiedenen Stationen der weiteren „Reise“ erinnere ich mich kaum, meine Mutter erzählte später viel davon.
Im Frühjahr 1945 waren wir in Neumünster angekommen.
Wir kamen zunächst in einem Haus nahe der
Kaserne unter, wo mein Vater war. Es gab Luftangriffe,
an die ich mich erinnere. Einmal waren abends am
Himmel besonders viele Sterne, meine Mutter und ich
liefen in den nahen Stadtwald und sahen dann am
Waldrand etwas Gelbes leuchten, viele Leute sahen auch
dorthin, es war wohl ein brennendes Flugzeug.
Einmal war dann eine Ecke vom Nachbarhaus kaputt, in
dem Keller waren wir auch schon gewesen. Danach
wurde ich ängstlich, wenn andere Kinder vom Spielen
nach Hause liefen, später z. B. auch wegen Regen, kam
ich weinend an und wurde dann ausgelacht, denn nun
war es ja nicht mehr gefährlich.
Wir wohnten später in einem Haus in der Parkstraße bis 1949, in zwei Zimmern bei zwei alten Frauen, die ich "Tanten" nannte und die sich auch etwas um mich kümmerten; überhaupt waren eigentlich alle Leute nett zu mir. Meine Mutter war viel weg. Sie arbeitete in einer Praxis in Tungendorf als Zahnärztin, mein Vater war interniert und kam erst 1947 aus Gadeland. Danach arbeitete er eine Zeit als Waldarbeiter im Ricklinger Forst, dadurch hatten wir es im Winter wärmer, er brachte auch Pilze und Beeren mit.
Es kamen viele Onkel und Tanten zu uns, offenbar hatte meine Mutter im Suchdienst unsere Adresse angegeben als Sammelpunkt für die Familie und Freunde aus Ostpreußen […]
[…] kompletter Text im Buch zum Herunterladen